Die Gesundheitswirtschaft - ein regionaler Wachstumsmarkt
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Mittelbayerische Zeitung

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Dreiteilige Serie "Regionale Netzwerke" (3)

Die Gesundheitswirtschaft als neuer Standortfaktor

Von Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender

Die Globalisierung zahlreicher Märkte wird den Wettbewerb zwischen Volkswirtschaften deutlich erhöhen. Der damit verbundene Wettbewerb um hoch qualifizierte Arbeitnehmer, Arbeitsplätze, Investitionen und Steuereinnahmen wird immer stärker zwischen einzelnen Regionen stattfinden und hat auch Auswirkungen auf die Gesundheitswirtschaft. Bereits heute konkurrieren auf europäischer Ebene Städte und Ballungsräume miteinander.
Die Gesundheitswirtschaft ist dabei von besonderer Bedeutung. Zum einen stellt sie einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar - so arbeitet bundesweit mehr als jeder Zehnte in diesem Sektor und die Wachstumsperspektiven können als gut bezeichnet werden. Zum anderen trägt sie nachhaltig zur Lebensqualität der Einwohner bei, sei es durch medizinische Angebote, Naherholungsgebiete und saubere Umwelt. Je früher es Regionen gelingt, die in der Gesundheitswirtschaft vorhandenen Kräfte zu bündeln und auf gemeinsame Ziele auszurichten, desto eher werden sie in der Lage sein, die vielfach existierenden Potenziale auszuschöpfen und sich im Wettbewerb zu positionieren. Dies wiederum trägt dazu bei, hoch qualifiziertes medizinisches Personal anzuziehen oder Investitions- und Standortentscheidungen von Unternehmen positiv zu beeinflussen. Derartige Cluster-Strategien gewinnen auch international an Bedeutung wie das Projekt "Dubai Healthcare City" zeigt. Es kann mit rund 350 geplanten Kliniken, Forschungszentren, Lehreinrichtungen, Wellness-Angeboten und Hotels als eines der größten Vorhaben weltweit gelten.
Für die einzelnen Regionen wird es wichtig sein, sich auf Basis der vorhandenen Strukturen und Ressourcen optimal in der Wertschöpfungskette zu positionieren. Diese Positionierung wird verständlicherweise an Standorten mit verschiedenen Einrichtungen der Hochleistungsmedizin und forschenden Unternehmen der Life-Sciences-Industries ganz anders aussehen als in ländlichen Gebieten mit Schwerpunkten in Bereichen wie Rehabilitation und Medizin-Tourismus. Wie wichtig diese Positionierung ist, zeigt jedoch u. a. die zunehmende Bedeutung von gesundheitswirtschaftlichen Parametern (z. B. Zugang zu bestimmten Untersuchungsmethoden) im Rahmen von Standort-Rankings.
Das Management derartiger Netzwerkstrukturen mit Teilnehmern aus unterschiedlichen Segmenten der Gesundheitswirtschaft bei gleichzeitig enger Koordination mit Akteuren aus Politik, Verbänden oder Kammern stellt neue Anforderungen an die Führungskräfte. Sie müssen den Blick über die Grenzen der eigenen Organisation wagen und in der Lage sein, die Perspektiven der anderen Akteure einzunehmen. Eine besondere Bedeutung kommt daher Führungskräften zu, die über berufliche Erfahrungen in mehreren Bereichen des Gesundheitswesens und/oder Wirtschaft/Politik/Verband verfügen und somit die jeweils vorherrschenden Partikularinteressen kritisch zu würdigen wissen. Sie sind tendenziell eher in der Lage, die Stärken der einzelnen Bereiche so zu kombinieren, dass das Gesamtsystem sich in Richtung einer wirtschaftlicheren und qualitativ hochwertigeren Versorgung entwickelt und die Voraussetzungen für eine Positionierung als attraktiver Standort geschaffen werden.

Infos zum Autor:

Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender
Seniorpartner Oberender & Partner
www.oberender-online.de

Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie und Sozialrecht
Universität Bayreuth
E-Mail: peter.oberender@uni-bayreuth.de