Die Gesundheitswirtschaft - ein regionaler Wachstumsmarkt
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Mittelbayerische Zeitung

Aktuelle Beiträge zur Fachdiskussion:
Dreiteilige Serie "Regionale Netzwerke" (2)

Regionale Gesundheitsinitiativen und Kompetenz-Netzwerke

Von Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender

Viele Beteiligte in Wirtschaft und Politik haben das enorme Wachstumspotenzial der Gesundheitswirtschaft erkannt und machen sich für die Errichtung von regionalen Netzwerkstrukturen stark. So gibt es auf lokaler Ebene - neben privat getragenen Projekten wie dem MediPark Regensburg - Initiativen wie z. B. Health Cologne, Köln oder Medical Valley, Erlangen. Auf Landesebene entstehen Institutionen wie die "Arbeitsgruppe Gesundheitswirtschaft" für Nordrhein-Westfalen und im Bund findet der Wettbewerb des BMBF um die "Gesundheitsregion der Zukunft" statt. Die Schwerpunktbildung und eine enge medizinische Kooperation unterschiedlicher Leistungserbringer erlauben die Spezialisierung sowie den Abbau von Parallel-Angeboten. Hierzu sind sowohl der Patienten-Transfer als auch der Know-how-Transfer zwischen spezialisierten Einrichtungen zu gewährleisten.

Neben den von der Politik geforderten und teils geförderten Gesundheitsregionen gibt es weitere Tendenzen zur Regionalisierung und Verbundbildung, die teilweise kritisch vom Bundeskartellamt beobachtet werden. Neben der Bündelung und Abstimmung von Leistungserbringern im stationären Bereich nimmt beispielsweise auch die Zahl Medizinischer Versorgungszentren (kurz: MVZ) rasant zu. Mittlerweile gibt es in Deutschland etwa 1000 solcher Zentren. Diese übernehmen in einem immer stärkeren Ausmaß die ambulante Versorgung, weswegen sie auch häufiger begehrte Partner für Akutkliniken sind. Die regionale Konzentration und Ausrichtung begünstigt eine Kettenbildung innerhalb der Gesundheitswirtschaft. Kommunale Verbundbildung (z.B. Gesundheit Nord Bremen, Gesundheit Nordhessen Kassel, Klinikum Nordoberpfalz AG Weiden, Klinikum Nürnberg) und Übernahmen von öffentlichen Kliniken durch private Krankenhausketten finden mittlerweile in zahlreichen Regionen statt. Dies hat dazu geführt, dass sogar Zusammenschlussverbote durch das Kartellamt ausgesprochen wurden, um eine zu starke Konzentration auf regionaler Ebene zu unterbinden.

Die Versorgungspyramide, bestehend aus stationären und ambulanten Leistungserbringern, muss den Ausgangspunkt sämtlicher Überlegungen bilden. An den Nukleus Krankenhaus angrenzende Leistungserbringer wie zum Beispiel Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen sind im Sinne einer integrierten, schnittstellenübergreifenden Versorgung aktiv einzubinden, um die Qualität und Effizienz der Leistungserstellung zum Wohle der Bürger und Patienten zu steigern. Im Rahmen der damit verbundenen Aktivitäten zeigen sich häufig historisch gewachsene Strukturen, die derzeitigen bzw. zukünftigen Anforderungen nur unzureichend gerecht werden. So lassen sich vielfach Doppelstrukturen beobachten, während in bestimmten Indikationsfeldern klare Versorgungslücken zu konstatieren sind. Auf Basis der gegebenenfalls erforderlichen Strukturanpassungen können dann, in Kooperation mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und forschenden Unternehmen, regionale Kompetenz-Netzwerke entstehen.

(Der Teil 3 erscheint zu Beginn des Folgemonats auf den MediPark-Seiten).


Infos zum Autor:

Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender
Seniorpartner Oberender & Partner
www.oberender-online.de

Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie und Sozialrecht
Universität Bayreuth
E-Mail: peter.oberender@uni-bayreuth.de