Die Gesundheitswirtschaft - ein regionaler Wachstumsmarkt
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Mittelbayerische Zeitung

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Dreiteilige Serie "Regionale Netzwerke" (1)

Die Gesundheitswirtschaft - ein regionaler Wachstumsmarkt


Von Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender


Das Gesundheitswesen hat in nahezu allen Volkswirtschaften an Bedeutung gewonnen und entwickelt sich immer stärker in Richtung Gesundheitswirtschaft. Die deutsche Gesundheitswirtschaft zählte 2007 bei einem Umsatz von ca. 300 Milliarden Euro mehr als 4,5 Millionen Beschäftigte und stellt bereits einen der wichtigsten Beschäftigungs- und Wachstumssektoren unserer Volkswirtschaft dar. Auch zukünftig kann davon ausgegangen werden, dass beste Voraussetzungen für eine florierende Entwicklung bestehen.

Als Ursachen können insbesondere der medizinisch-technische Fortschritt, eine älter werdende Bevölkerung, das neue Gesundheitsbewusstsein sowie eine zunehmende Zahlungsbereitschaft der Patienten - sei es im Bereich der Leistungserbringung, bei der Industrie, Kassen oder Dienstleistern - identifiziert werden. Diese Faktoren wirken sich zum einen unmittelbar auf die Leistungserbringung am Patienten und zum anderen mittelbar auf angrenzende Sektoren wie etwa die Zulieferindustrie aus. Beispielsweise sind zahlreiche Unternehmensgründungen in den Bereichen Pharma, Medizintechnik, Biotechnologie, aber auch bei Dienstleistern (z. B. IT, Hard- und Software oder Logistik) zu beobachten.

Da es sich bei den Kernbereichen, also bei medizinischen und pflegerischen Leistungen, jedoch um personenbezogene Dienstleistungen handelt, sind die Kunden vielfach auf qualitativ hochwertige Angebote in ihrer näheren Umgebung angewiesen. Dies gilt in besonderem Maß für ältere Kunden oder Kinder/Jugendliche, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Auch wenn Patienten bei elektiven (zeitlich planbaren) Eingriffen eher geneigt sind, weite Strecken in Kauf zu nehmen, kommt diesen nach Untersuchungen des Bundeskartellamtes nur eine sehr geringe Bedeutung zu. Gerade bei operativen Eingriffen, die eine über Anschlussheil- oder Rehabilitationsmaßnahmen hinausgehende Versorgung erfordern, ist der Patient auf regionale Angebote angewiesen. Ähnlich stellt sich die Situation für ambulante Pflegeangebote, logopädische oder physiotherapeutische Leistungen dar. Auch telemedizinische Anwendungen können nur bedingt Abhilfe schaffen, etwa im Rahmen der Patientenüberwachung oder teleradiologischer Befundungen.

Es handelt sich also primär um einen regionalen Markt, in dem die Versorgung der Patienten über alle Schnittstellen hinweg möglichst reibungsarm zu gewährleisten ist. Neben der Integration unterschiedlicher Versorgungsangebote verspricht die Tatsache, dass sich die Zulieferindustrie sowie potenzielle Dienstleister oder Hochschulen üblicherweise um diese Versorgungskerne herum ansiedeln, ein großes Potenzial für die Bildung von regionalen Gesundheitsnetzwerken (Clustern) und sektorübergreifenden Leistungsgemeinschaften.

(Die Teile 2/3 erscheinen jeweils zu Beginn der Folgemonate auf den MediPark-Seiten).

Infos zum Autor:
Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender
Seniorpartner Oberender & Partner
www.oberender-online.de


Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie und Sozialrecht
Universität Bayreuth
E-Mail: peter.oberender@uni-bayreuth.de

Veranstaltungen zur Thematik: Oberender & Partner führt mit der Universität Bayreuth am 8. Mai 2008 eine Experten-Tagung zum Thema "Innovative Versorgungsstrukturen für Gesundheitsregionen" durch (kostenfreie Anmeldung unter www.oberender-online.de).