
„Aber er ist doch erst zwei Jahre alt“, meint die besorgte Mutter. Ihr Sohn hat Hodenhochstand, keine Seltenheit. Kamal Yousef, Kinderchirurg (Im Gewer- bepark C 27, Tel. 0941/467 26 00), kennt die Sorgen der Eltern und nimmt sie ernst: „Bedenken Sie: Ein Kind ist kein kleiner Erwachsener. Es steckt eine Ope- ration oft leicht weg, gerade wenn es noch sehr klein ist.“ Eltern rechnen meist gleich mit einem Krankenhaus- aufenthalt, dabei können viele Eingriffe ambulant durchgeführt werden, etwa Blinddarmentfernung, Leistenbruch, Na- belbruch, Phimose oder abstehende Ohren. Die Pflege zu Hause ist einfach zu bewerkstelligen, der Arzt kommt jeden Tag zur Nachsorge vorbei und das Kind fühlt sich in der vertrauten Umgebung wohler als im Krankenhaus. „Bei manchen Operationen haben wir nicht die Wahl“, so Yousef. „Hat das Kind länger als einen Tag Bauchschmerzen, die sich auch nach dem Stuhlgang nicht ver- bessern – ganz gleich ob mit oder ohne Fieber, ob mit oder ohne Erbrechen – , dann muss es zum Arzt. Es könnte eine Blinddarmentzündungdahinterstecken.“ Bei anderen Eingriffen wie abstehenden Ohren, kann man zuwarten, darf aber die psychische Belastung nicht außer Acht lassen, meint der Kinderchirurg: „Wenn die Kinder von anderen ausgelacht werden – im Kindergarten oder in der Schule, dann leiden sie auch körperlich unter dem Druck.“ In seinem Warte- zimmer hängen viele selbstgemalte Bilder von Kindern aller Altersstufen. Sie zeigen allesamt glückliche Kinder, die endlich ihre Schmerzen los sind. Fünf Tipps für Eltern vor und nach der Operation ihrer Kinder: 1. Ruhe bewahren und ausstrahlen. Übertragen Sie nicht Ihre Ängste auf Ihr Kind. Es macht sich in der Regel weniger Sorgen als Sie. 2. Erklären Sie dem Kind die Operation – kindgerecht. Vereinfachen Sie so stark, dass Ihr Kind es verstehen kann. Ein- zelheiten sind oft kontraproduktiv. 3. Dasein ist wichtig. Seien Sie da, wenn Ihr Kind aus der Narkose aufwacht oder während einer Zahnoperation mit örtlicher Betäubung. Ihr Kind braucht dann einfach Ihre Nähe – ohne Worte. 4. Nach der OP ist häusliche Ruhe wichtig – nicht aber zwangsläufig Bettruhe. Ihr Kind darf spielen, aber nicht Toben und Springen. Unter- nehmen Sie in dieser Zeit keine Aus- flüge. Das wäre zu anstrengend für Ihr Kind. 5. Die Pflege ist einfacher als Sie denken. Wann immer Sie aber unsicher sind, rufen Sie den operierenden Facharzt an und stellen Fragen. Er kommt auch zur Nachsorge ins Haus. Kinderchirurgie: Warten oder nicht: Operationen bei Kindern Kinder toben und tollen gerne, probieren die coolsten Skateboard-Sprünge aus, sausen mit Inlinern bergab oder veran- stalten Fahrrad-Wettrennen. Gute Schutzausrüstung ist hier selbstverständ- lich, trotzdem kann es bei einem Sturz passieren, dass es zu Verletzungen im Mund-Kiefer-Bereich kommt. Besonders tragisch ist es, wenn die bleibenden Schneidezähne betroffen sind. Hier können Anteile der Zahnkrone abbre- chen, sich die Zähne durch den Sturz lo- ckern oder sogar vollständig verloren gehen. „Was kaum jemand weiß ist, dass einem für alle Verletzungen im Mund- Kiefer-Bereich der Zahnarzt helfen kann“, erklärt Dr. Sandra Herbrig, Kinderzahn- ärztin in der Gemeinschaftspraxis Dr. Isa- bell von Gymnich und Dr. Sandra Herbrig (Im Gewerbepark C 27, Tel. 0941/461 40 14). „Das gilt für die aufgeplatzte Lippe ebenso wie für den Verlust eines Zahns, der übrigens in den meisten Fällen wieder eingesetzt werden kann. Wir sind diesbezüglich immer auf dem aktuellen Stand der Traumatologie in der Kinder- Zahnheilkunde.“ Wichtig: Bewahren Sie Ruhe und lassen das Kind bei starker Blutung auf ein Stofftaschentuch beißen. Kühlen Sie die Wunde äußerlich (Eiswürfel). Sofern es sich um einen bleibenden Zahn handelt: Anschließend das ab- oder herausgebro- chene Zahnstück suchen, es nur an der Zahnkrone anfassen und – egal wie schmutzig es ist – ungereinigt (!) in Wasser oder noch besser in kalte Milch legen. Ebenso geeignet dazu ist eine spe- zielle Zahnrettungsbox, die in jede Handtasche passt. Dann möglichst schnell zum Zahnarzt. Ist der Zahn noch im Kiefer, aber stark gelockert oder ver- schoben, dann berühren Sie ihn nicht, lassen Sie das Kind vorsichtig zusam- menbeißen und ab zum Zahnarzt zur Einschätzung der Situation. Das gilt auch für Milchzähne, die zum Schutz des bleibenden Zahnkeimes nach einem Sturz nicht wieder eingepflanzt werden. Verhaltenstipps für Eltern: Zahnunfall bei Kindern Zahnrettungsboxen sollten in Schulen, Sport- stätten, jedem Haushalt mit Kindern und auf jeder Fahrradtour vorhanden sein. Erhältlich sind die Rettungsboxen rezeptfrei in jeder Apo- theke oder aber auch im Internet. 29